Lebensversicherung: kündigen, verkaufen oder beleihen ?

Die Lebensversicherung kündigen ?

Wer erwägt, seine Renten- oder Kapital-Lebensversicherung aufzukündigen, steht mit dieser Idee nicht allein: Gut die Hälfte aller in Deutschland abgeschlossenen Lebensversicherungsverträge ereilt dieses Schicksal, mit einem jährlichen Kündigungsvolumen von gut 12 Milliarden Euro. Die Gründe für diese nachdenklich stimmende Statistik sind vielfältig: Neben Zahlungsproblemen spielt auch auch eine zunehmende Unzufriedenheit der Verbraucher mit der Effizienz von Lebensversicherungen als Geldanlage oder sichere Altersvorsorge eine wichtige Rolle.

Kündigungswillige bemerken alsbald, dass es leichter ist eine Lebensversicherung abzuschließen als sie wieder loszuwerden. Bei einer vorzeitigen Kündigung drohen Stornogebühren und, wenn der Vertrag erst wenige Jahre jung ist, Provisionsansprüche von Seiten des Vermittlers. Dies führt in der Regel dazu, dass Rückkaufswert Ihrer Lebensversicherung -also der Betrag, den Sie bei einer Kündigung ausgezahlt bekommen- weit unter der Summe der bereits von Ihnen geleisteten Beiträge liegt. Sie bekommen bei einer Kündigung also weniger Geld zurückerstattet als sie eingezahlt haben und verlieren obendrein sämtliche Vertragsleistungen wie den Todesfallschutz.

Mehr über die Nachteile einer Kündigung erfahren Sie hier

Was sind die Alternativen ?

Zunächst einmal: Um die Beitragslast zu mindern oder ihr zu entgehen, muss man nicht unbedingt kündigen. Es gibt viele Wege zur Vertragserhaltung, von vorübergehenden Lösungen wie Beitrags-Stundung oder zeitweiligem 'Einfrieren' des Vertrags bis zu Optionen zur langfristigen Kostenminderung wie Absenkung der Leistung oder Laufzeitverlängerung, alle mit ihren jeweiligen Vor- und Nachteilen. Ihre Versicherung hat in der Regel mehr Interesse an der Fortführung als an der Auflösung Ihres Vertrags und wird sie gern informieren.

Weitere Optionen zur Vertragserhaltung finden Sie hier


LV-Zweitmarkt:  Die Versicherung mit Gewinn verkaufen

Obwohl in Deutschland bereits seit 1998 mit laufenden Lebensversicherungsverträgen (sog. 'gebrauchte Policen') gehandelt wird (2007 mit einem Volumen von ca. 1.4 Mrd. Euro), wissen bislang nur 7 % aller Versicherungsnehmer von der Möglichkeit eines Verkaufs ihrer Policen an Zweitanbieter (sog. Policenhändler') mit merklich mehr Gewinn. Die Grundlage für diesen Markt bilden die hohen Kosten einer normalen Vertragskündigung: Stornogebühren, Verwaltungskosten, Vermittleransprüche etc, ebenso wie eventuelle steuerliche Nachteile.
Da diese Kosten bei einer Weiterführung des Vertrags durch den Käufer entfallen, entsteht ein Vorteil, der sich für Sie und den Ankäufer gleichermaßen rechnet. Sie schnappen der Versicherung die Stornogebühren sozusagen vor der Nase weg und teilen sich die Einsparung mit dem Policenhändler. In Einzelfällen können Kapitallebens- und private Rentenversicherungen sowie Fonds-Policen auf dem deutschen Versicherungs-Zweitmarkt mit zum Teil deutlich über dem von der Versicherungsgesellschaft gebotenen Betrag liegenden Preisen den Besitzer wechseln.

Weitere Informationen zu der Möglichkeit des Weiterverkaufs Ihrer Lebensversicherung finden Sie hier

Policendarlehen: Die Versicherung beleihen

Vor allem bei kurzfristigen Engpässen kann das sogenannte Policendarlehen -die Aufnahme eines Kredits mit ihrem Versicherungsvertrag als Sicherheit- eine elegante Option darstellen, Ihre sonst eher starre Kapitallebensversicherung in Bargeld zu verwandeln. Im Prinzip erhalten Sie über ein Policendarlehen eine Anzahlung auf die Ablaufleistung Ihrer Renten- oder Lebensversicherung. Auf gut Deutsch: Sie leihen sich das Geld -auf dem Umweg über Ihre Versicherungsgesellschaft oder über hierauf spezialisierte Zweitanbieter- bei sich selbst.

Ein unvermeidlicher Wermutstropfen hierbei ist, daß die an den Kreditgeber zu zahlenden Zinsen höher sind als die Guthabenzinsen Ihrer Police. Der große Vorteil aber besteht darin, daß Ihr Vertrag während der Kreditnahme ganz normal weiter läuft und Leistungen wie Todesfallschutz Ihnen erhalten bleiben. Dazu kommen deutlich günstigere Konditionen gegenüber Verbraucher- und Dispositions-Krediten, da bei Policendarlehen nicht die persönliche Kreditfähigkeit sondern die Police als solide Sicherheit den Ausschlag gibt. Auch sind Sie anders als bei Konsumentenkrediten an keinerlei Laufzeiten gebunden und bestimmen den Zeitpunkt der Rückzahlung selbst. Optional können Sie das Darlehen auch erst bei Ablauf Ihres Versicherungsvertrags mit der dann fälligen Summe verrechnen lassen. Und da die meisten Anbieter auf Bonitätsanfragen und Schufa-Eintrag verzichten, gelangen auf diesem Weg auch Selbstständige und Freiberufler, für die Verbraucherkredite bekanntlich oft nicht in Frage kommen, günstig an Darlehen.

Mehr über Policendarlehen erfahren Sie hier



Hinweis:
Bis zum 31.12.2008 ist der Verkauf einer Versicherungspolice in Deutschland noch steuerfrei.


 
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